Läufigkeit der Hündin: Phasen, Dauer und was du wissen musst
Die Läufigkeit der Hündin dauert durchschnittlich 21 Tage und tritt alle 6-12 Monate auf. Sie verläuft in vier Phasen: Vorbrunst (blutiger Ausfluss), Brunst (deckbereit), Nachbrunst und Ruhephase. Erste Läufigkeit bei kleinen Rassen ab 6 Monaten, bei großen ab 12-24 Monaten. Anzeichen: geschwollene Vulva, blutiger Ausfluss, Verhaltensänderung.
Blutflecken auf dem Sofa, plötzlich anhängliches Verhalten und der Nachbarrüde dreht durch. Wenn Deine Hündin zum ersten Mal läufig wird, kommt das selten gelegen. Und selbst erfahrene Hundehalter sind manchmal unsicher: Wie lange dauert das? Darf sie noch raus? Braucht sie eine Schutzhose?
Dieser Artikel erklärt die Läufigkeit kompakt und praxisnah, von den ersten Anzeichen bis zum Alltags-Management. Kein Mediziner-Latein, sondern das Wichtigste für Halter einer Hündin. Inklusive einer Tabelle zur ersten Läufigkeit nach Hundegröße, alle vier Phasen erklärt und konkrete Tipps für die drei kritischen Wochen.
Wann wird eine Hündin zum ersten Mal läufig?
Das hängt von der Größe ab. Kleine Rassen wie Chihuahua, Dackel oder Yorkshire Terrier werden oft schon mit 6-10 Monaten läufig. Mittelgroße Hunde wie Beagle oder Cocker Spaniel folgen zwischen 8 und 13 Monaten. Große Rassen lassen sich mehr Zeit. Bei Labrador, Golden Retriever oder Schäferhund sind 12-24 Monate normal.
| Hundegröße | Erste Läufigkeit | Häufigkeit danach |
|---|---|---|
| Klein (unter 10 kg) | 6-10 Monate | Alle 5-7 Monate |
| Mittel (10-25 kg) | 8-13 Monate | Alle 6-8 Monate |
| Groß (über 25 kg) | 12-24 Monate | Alle 8-12 Monate |
Die erste Läufigkeit verläuft oft unregelmäßig. Die Blutung ist kürzer, der Ausfluss schwächer und das Timing untypisch. Auch der Abstand zwischen den ersten beiden Zyklen kann stark schwanken: 4 Monate oder 14 Monate, beides kommt vor. Erst ab dem dritten Zyklus pendelt sich ein individueller Rhythmus ein.
Manche Hündinnen haben eine „stille Läufigkeit“. Keine sichtbare Blutung, keine geschwollene Vulva und trotzdem fruchtbar. Das betrifft vor allem die erste Läufigkeit bei großen Rassen. Rüden in der Nachbarschaft merken es trotzdem, über Pheromone im Urin. Im Zweifel hilft ein Progesterontest beim Tierarzt.
Übrigens: Französische Bulldoggen und andere kurzschnäuzige Rassen werden tendenziell etwas früher läufig, als ihre Körpergröße vermuten ließe. Bei Frenchies ist die erste Läufigkeit mit 7-9 Monaten keine Seltenheit.

Welche Phasen hat die Läufigkeit?
Die Läufigkeit (Östrus-Zyklus) besteht aus vier Phasen. Jede dauert unterschiedlich lang und die Übergänge sind fließend.
1. Vorbrunst (Proöstrus), Dauer: 3-17 Tage, Durchschnitt 9 Tage
Die Vulva schwillt sichtbar an. Blutiger Ausfluss beginnt, anfangs stärker und dann leichter. Die Hündin markiert häufiger und ist unruhig, manchmal auch anhänglicher als sonst. Rüden zeigen bereits Interesse. Die Hündin lässt aber noch nicht decken: Sie schnappt oder setzt sich hin.
2. Brunst (Östrus), Dauer: 3-21 Tage, Durchschnitt 9 Tage
Der Ausfluss wird heller, wässrig und gelblich. Die Hündin ist jetzt deckbereit. Sie legt die Rute zur Seite und steht still, wenn ein Rüde sich nähert. Das ist die fruchtbare Phase. Wer keinen Nachwuchs will, passt jetzt besonders auf. Kein Freilauf, kein unbeaufsichtigter Gartenzugang.
Manche Hündinnen zeigen kein eindeutiges Duldungsverhalten. Sicher bestimmen lässt sich die Fruchtbarkeit nur per Progesterontest beim Tierarzt, relevant vor allem für Züchter.
3. Nachbrunst (Metöstrus), Dauer: ca. 9-12 Wochen
Der Ausfluss hört auf und die Vulva schwillt ab. Die Hündin ist nicht mehr fruchtbar. Bei manchen Hündinnen tritt jetzt eine Scheinträchtigkeit auf. Sie hortet Spielzeug, baut Nester und hat geschwollene Zitzen. Manchmal kommt sogar Milchbildung dazu. Klingt dramatisch, ist aber hormonell bedingt und bei leichten Fällen harmlos. Bei starker Ausprägung gilt: Tierarzt konsultieren.
4. Ruhephase (Anöstrus), Dauer: 2-8 Monate
Keine äußeren Anzeichen. Die Hündin ist hormonell „im Leerlauf“. Die Länge dieser Phase bestimmt, wie oft die Hündin pro Jahr läufig wird. Manche Hündinnen werden nur einmal jährlich läufig, vor allem nordische Rassen wie Huskys. Andere folgen alle 5 Monate.
Die Ruhephase ist auch die beste Zeit für geplante Tierarztbesuche, Narkosen oder eine Kastration. Der Hormonspiegel ist am niedrigsten und das Gewebe am wenigsten durchblutet.
Was passiert im Körper der Hündin während der Läufigkeit?
Ein kurzer Blick hinter die Kulissen hilft, das Verhalten zu verstehen. In der Vorbrunst steigt der Östrogenspiegel rapide an. Das löst die Schwellung der Vulva und den blutigen Ausfluss aus. Gleichzeitig reifen in den Eierstöcken die Follikel heran.
Am Übergang zur Brunst fällt das Östrogen und das Progesteron steigt. Der Eisprung findet statt, bei den meisten Hündinnen etwa 48 Stunden nach dem LH-Peak (Luteinisierendes Hormon). Die Eizellen brauchen nach dem Eisprung noch 2-3 weitere Tage zum Reifen. Deshalb ist die Hündin oft erst einige Tage nach dem Eisprung am fruchtbarsten. Ein Detail, das viele Züchter überrascht.
In der Nachbrunst dominiert Progesteron. Das gilt unabhängig davon, ob die Hündin tragend ist. Das erklärt die Scheinträchtigkeit: Der Körper bereitet sich auf Welpen vor, die gar nicht kommen. Bei manchen Hündinnen ist diese hormonelle Achterbahn belastender als bei anderen.
Welche Anzeichen hat die Läufigkeit?
Nicht jede Hündin zeigt alle Symptome gleich deutlich. Die häufigsten Anzeichen sind:
- Geschwollene Vulva, oft das erste sichtbare Zeichen, manchmal schon Tage vor dem Ausfluss
- Blutiger Ausfluss, Farbverlauf von dunkelrot am Anfang bis wässrig gegen Ende
- Häufigeres Markieren, die Duftstoffe im Urin signalisieren Rüden die Fruchtbarkeit
- Anhänglicher oder unruhiger als sonst, manche Hündinnen wirken auch gereizt oder abwesend
- Weniger oder mehr Appetit als gewohnt
- Vermehrtes Putzen im Genitalbereich
Manchmal zeigt sich das erste Zeichen zuerst über das Verhalten. Manche Hündinnen starren plötzlich jeden Rüden im Park an, den sie sonst ignorieren. Die sichtbare Schwellung folgt dann erst ein paar Tage später.

Wie manage ich die Läufigkeit im Alltag?
Drei Wochen lang läufig, das klingt anstrengend. Ist es auch. Mit ein paar Maßnahmen bleibt es aber machbar.
Sauberkeit im Haus sicherstellen
Schutzhosen für Hündinnen gibt es in jeder Größe, von XS für den Chihuahua bis XXL für die Deutsche Dogge. Die Hündin trägt sie drinnen, um Blutflecken auf Möbeln und Böden zu vermeiden. Für die schnelle Reinigung zwischendurch eignen sich milde Feuchttücher, die auch im Intimbereich sicher sind und Ausflussreste schonend entfernen. Deutlich praktischer als Wasser und Waschlappen. Unsere RE:CARE Feuchttücher sind dafür gemacht.
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Spaziergänge anpassen
Immer angeleint. Kein Freilauf, kein Hundeplatz. Auch die Hundewiese fällt in dieser Zeit aus. Rüden riechen eine läufige Hündin auf hunderte Meter. Das Risiko eines ungewollten Deckakts ist real, auch wenn Deine Hündin „noch nie weggelaufen“ ist. Am besten zu ruhigeren Zeiten und auf Strecken mit wenig Hundeverkehr gehen.
Rüden im Haushalt trennen
Wenn Du einen Rüden im selben Haushalt hast, trenne die beiden. Verschiedene Etagen oder verschiedene Spaziergänge helfen, zur Not auch eine vorübergehende Unterbringung bei Freunden. Rüden werden bei einer läufigen Hündin im Haus teilweise unberechenbar. Futterverweigerung und Jaulen kommen vor, manchmal sogar Ausbruchsversuche.
Stress reduzieren
Manche Hündinnen sind während der Läufigkeit emotional instabil. Gereizt, ängstlich oder überanhänglich zu sein ist völlig normal. Behalte die Routine bei und biete extra Kuschelzeit an. Respektiere aber auch Ruhephasen. Nicht zwingen, kein Training unter Druck.
Hygiene-Routine einhalten
Reinige morgens und abends die Vulva-Region sanft. Ausflussreste können die Haut reizen, besonders bei Hündinnen mit kurzem Fell. Auch die Innenseite der Oberschenkel wischt Du am besten ab, dort sammeln sich oft Ausflussreste.
Zyklus dokumentieren
Klingt pedantisch, lohnt sich aber. Notiere den ersten Tag der Blutung und die Stärke des Ausflusses. Halte auch Verhaltensauffälligkeiten und das Ende der Blutung fest. Nach 2-3 Zyklen hast Du ein Muster und weißt beim nächsten Mal, was kommt. Eine Zyklus-Tracking-App hilft dabei.
Wann zum Tierarzt während der Läufigkeit?
Die Läufigkeit ist ein normaler biologischer Vorgang. In den meisten Fällen kommt Deine Hündin problemlos durch alle vier Phasen. Trotzdem gibt es Situationen, in denen Du nicht abwarten solltest.
Wann Du sofort zum Tierarzt musst
- Eitriger oder übelriechender Ausfluss: Gelb-grünlicher Ausfluss statt des normalen blutigen deutet auf eine Gebärmutterentzündung (Pyometra) hin. Pyometra entwickelt sich typischerweise 4 bis 8 Wochen nach der Läufigkeit und kann innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden.
- Starke Blutung ohne Besserung: Wird die Blutung nach 10 Tagen nicht schwächer oder setzt plötzlich wieder stärker ein, sollte das abgeklärt werden.
- Fieber über 39,5 °C: Die normale Körpertemperatur liegt bei 37,5 bis 39,0 °C. Fieber zusammen mit Appetitlosigkeit und Mattigkeit ist ein klares Alarmsignal.
- Deutliche Apathie: Wenn Deine Hündin länger als 24 Stunden nicht frisst, nicht mehr aufstehen mag oder sichtbar dehydriert wirkt.
Wann ein Tierarztbesuch sinnvoll ist
- Erste Läufigkeit vor dem 6. Lebensmonat: Kommt selten vor und sollte abgeklärt werden, besonders bei großen Rassen.
- Keine Läufigkeit bis zum 18. Monat: Bei kleinen Rassen ist das auffällig spät. Bei Riesenrassen wie Doggen oder Bernhardinern kann es noch im Normalbereich liegen.
- Schwere Scheinträchtigkeit: Milchproduktion, aggressive Verteidigung von Spielzeug oder komplette Nahrungsverweigerung über mehrere Tage.
- Dauerläufigkeit über 4 Wochen: Hört die Blutung nicht auf, kann eine Eierstockzyste oder eine hormonelle Störung dahinterstecken.
- Sehr unregelmäßige Zyklen: Nach den ersten drei Läufigkeiten sollte sich ein ungefährer Rhythmus eingependelt haben. Schwankungen von mehr als 2 Monaten zwischen den Zyklen deuten auf hormonelle Probleme hin.
Im Zweifel lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig. Die meisten Tierarztpraxen geben am Telefon eine erste Einschätzung, ob ein Besuch nötig ist oder ob Abwarten reicht.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert die Läufigkeit bei einer Hündin?
Die komplette Läufigkeit (Vorbrunst + Brunst) dauert durchschnittlich 21 Tage, kann aber zwischen 14 und 28 Tagen variieren. Der blutige Ausfluss ist in den ersten 7-10 Tagen am stärksten und wird dann heller und wässriger. Die fruchtbare Phase liegt typischerweise zwischen Tag 9 und Tag 15, das ist aber individuell sehr verschieden.
Darf ich mit einer läufigen Hündin spazieren gehen?
Ja, aber immer angeleint und auf wenig frequentierten Wegen. Läufige Hündinnen brauchen trotzdem Auslauf und frische Luft. Meide Hundewiesen, Hundeparks und Gebiete mit vielen freilaufenden Rüden. Am besten früh morgens oder spätabends gehen, wenn weniger Hunde unterwegs sind. Prüfe auch den Gartenzaun. Rüden werden in dieser Phase erstaunlich kreativ.
Kann eine Hündin während der Läufigkeit schwimmen?
Vom Infektionsrisiko her wird davon abgeraten. Der Muttermund ist während der Läufigkeit leicht geöffnet, was das Risiko einer Gebärmutterentzündung (Pyometra) durch Keime im Wasser erhöht. Seen, Flüsse und Meer sind deshalb tabu. Eine kurze Dusche zu Hause zum Reinigen ist kein Problem, aber langes Baden sollte während der Läufigkeit vermieden werden.
Ab wann kann ich meine Hündin nach der Läufigkeit kastrieren lassen?
Die meisten Tierärzte empfehlen, mindestens 2-3 Monate nach der Läufigkeit zu warten. Erst dann hat sich die Gebärmutter vollständig zurückgebildet. In der Nachbrunstphase ist die Gebärmutter stärker durchblutet, was das OP-Risiko erhöht. Der ideale Zeitpunkt liegt in der Ruhephase (Anöstrus). Mehr zum Thema Kastration in unserem Ratgeber zur Kastration der Hündin.
Ist Scheinträchtigkeit nach der Läufigkeit gefährlich?
In den meisten Fällen nein. Leichte Scheinträchtigkeit mit Nestbauverhalten und leicht geschwollenen Zitzen ist hormonell bedingt und klingt nach 2-3 Wochen von selbst ab. Problematisch wird es bei starker Milchproduktion mit Milchstau-Risiko oder wenn die Hündin Spielzeug aggressiv verteidigt. Dann hilft nur der Tierarzt, der mit Prolaktin-Hemmern behandeln kann.

Fazit
Die Läufigkeit ist keine Krankheit, sie ist Biologie. Alle 6-12 Monate, drei Wochen lang. Mit einer Schutzhose, angepassten Spaziergängen und etwas extra Aufmerksamkeit ist das gut zu managen.
Überlegst Du, ob eine Kastration langfristig die bessere Lösung ist? Unser ausführlicher Ratgeber zur Kastration zeigt Kosten, Ablauf und eine ehrliche Pro-Contra-Abwägung.
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Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Auffälligkeiten konsultiere bitte Deinen Tierarzt.
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